Vom alten «Junkeren-Hus»
Zu  den  in  alten  Aroser  Urkunden  und  Kirchenbüchern  am häufigsten  mit  Namen  erwähnten  Bauernhöfen  gehört  neben der «Egga», zeitweise in Verbindung mit dieser, auch das alte «Junkeren-Hus».  Das  alte  Junkeren-Gut  umfasste  das  Wie­sengelände   zwischen   Plessur   und   Alpentobel   unterhalb   des Restaurant   «Alpenrösli».   Die   Haupthofstatt   stand   auf   der kleinen  Terrasse  ungefähr  100  m  östlich  vom  jetzigen  «Jun­keren-Hus».  Seine  Geschichte  kann,  allerdings  nicht  in  allen Einzeiheiten  und  lückenlos,  bis ins 15.  Jahrhundert zurückverfolgt werden. Anno 1443 verkaufte ein Engen (Sun?, Sim?) dem Ammann  Simon  Mettler an der Langenwis sein «Hus und  Hof  und  Hofraitin»;  dieses
Bauerngut  befand sich aller­dings,  wie die Namen  der in  der Urkunde genannten  An­stösser beweisen,  auf Prätschli-Maran.  Aber Engen  (Sim?, Sun?) oder ein  gleichnamiger Nachkomme,  muss dann  auf einen  Bauernhof nach  Innerarosa gezogen  sein.  Dieses Gut war um die Wende vom 15.  zum 16.  Jahrhundert im Besitze der Familie Maysser (Meisser); denn  im Jahre 1536  ver­kauften  die 5  Kinder des Martin  Maijsser «Hoff und  Guot, genannt Engen (Sünen?, S men?)» dem «Edlen Hanns Gugel­berger Burger und  sesshaft zu  Chur».  Die Tochter dieses Junkers heiratete den  in  französischen  Diensten  stehenden Hauptmann  Alexander Greding  Burger zu  Chur.  Es scheint, dass die 1540  in  Bünden  einsetzenden  Umtriebe,  gegen  d.e französischen  Pensionäre und  französisch  Gesinnten  das Ehe­paar Greding-Gugelberg  veranlassten,  sich  wenigstens zeit­ weise aus der Bündner Kapitale nach  dem abgelegenen  Erosen  auf das väterliche Gut zurückzuziehen.  Das schon  recht alte Walserhaus musste sich  wohl diese und  jene Umgestaltung  gefallen  lassen.  Durch  Erbschaft oder Kauf ging  es in die Hände von  Alexander und  Elisabeth  Greding-Gugelberg über.  Von  1543  bis 1548  erweiterten  diese ihren  Aroser Be­sitz um eine Wiese mit Stallanteil «zu der Diyen» und erwar­ben dazu nicht weniger als 31 Kuhweidenrechte in der Schön­bodenalp  (Aroser Alp).  1545  wurde der Grossbauer aus Erosen  «Wappengenoss»  des Königs Franz I von  Frankreich, also  auch  Junker.  Was lag  nun  näher,  als dass die Aroser den  «Engen-Hof»  in  «Junkeren-Hus»  umtauften.  Schon  1550 
starb  Alexander  Greding;  Frau  Elisabeth  vermählte  sich  in zweiter Ehe mit Remigius von Schauenstein. Wenn sie auch daraufhin  das wilde Alpental verliess,  so  veräusserte sie ih­ ren  Besitz daselbst noch  nicht; sie vergrösserte ihn  weiterhin; denn  1578  verpfändeten  Luzi Mettier’s Erben  ihre 10  Kuh­weiden  in  Erosen  der «Frau  Elisabeth  Gugelbergeren  von Moos, weiland des Herrn Hauptmann Remigius von Schauen­stein hinterlassener Wittfrau».
Von  etwa  1600  an  bis  etwa  1815  gehörte  das  «Junkeren- Guot»  der  Familie  Jänni  (Jeni,  Jäni,  Jennj,  Jenny).  In  der ersten  Hälfte  des  17.  Jahrhunderts  war  Obmann  Peter  Jänni da  sesshaft;  1651  übernahm  sein  Sohn  Jöry  Jänni  den  Unter­halt  der  Brücke  beim  «Junkeren-Hus;  es  zinseten  ab  dem «Junkeren-Hus»  an  die  Kilchen:  1664  die  Brüder  Jöry  und Christen  Jänni,  die  Söhne  Peters;  1693  Peter  und  Jöry Jenny, die Söhne Christens; 1708 Ibmann Jöry Jennj; usw. 1808 wurde der Stall durch eine Lawine teilweise zerstört, und Jöry Jenny entging knapp dem Tode.
Um  1815  erwarb  Christen  Brunold,  der  von  Maiaders  nach Arosa  gekommen  war,  hier  1803  Anna  Holdin  heiratete  und  und schon  1806  das  Statthalteramt inne  hatte, den westl chen Teil des «Junkeren-Gutes».  Er bewohnte das neue «Brunold’sche Junkeren-Hus»,  von  dem noch  nicht ermittelt werden  konnte, ob  es ein  Umbau  oder ein  Neubau  war; am Stall sieht man die Inschrift L  B 1814,  Name und  Geburtsjahr des Sohnes Luzi.  Noch  heute befindet sich  dieses «neue Junkeren-Gut» im Besitz von Nachkommen des Statthalters Christen Brunold.
Ab  dem  alten  «Junkeren-Hus»  zinsete  an  die  Kirchen  1830 Urschla   Jenj;   diese   heiratete   1835   Peter   Schmid   ab   dem Gspan,  und  der  seit  Jahrhunderten  Eigentum  der  Jänni  ge­ wesene Bauernhof ging an die Familie Schm.d auf dem Gspan über.  Um  ihn  wurde  es  immer  stiller,  in  der  zweiten  Hälfte des  19.  Jahrhunderts  stand  das  Haus  meist  leer.  1886  in  der Pfingstwoche  —  Herr  Chr.stian  Mettier,  Praval,  erinnert  sich noch  gut  daran  —  brannte  Gspan-Ueli  dort  «Sül»  (Zaun­ pfosten)  an;  in  einer  Nacht  brannte  das  Wohngebäude  bis auf  den  Grund  nieder,  trotz  allen  Löschversuchen  der  her­ beigeeilten   Nachbarn.   Das   gleiche   Schicksal   traf   um   1930 auch  den  Stall.  Schade,  dass  uns  nicht  einmal  ein  ordentli­ches  Bild  dieses  uralten,  früher  so  oft  genannten,  geschicht­lich  recht  interessanten  Bauern-  und  Junker-Sitzes  unten  am «Aroser Landwasser» (Plessur) erhalten blieb.

Casti J. B.